Projekt "Reproducibility Has Politics"
Experimente müssen sich wiederholen lassen und zum gleichen Ergebnis führen, sonst sind sie nicht wissenschaftlich. Was „wiederholen“ und „gleiches Ergebnis“ überhaupt bedeutet, war immer wieder ein Aushandlungsprozess in den Wissenschaften. Und die daraus entstandenen Standards besaßen stets auch eine politische Komponente.
Computer werden nicht nur geschätzt, weil sie schnell sind, sondern auch, weil sie in der Lage sind, „unermüdlich das immer Gleiche“ zu tun – wie man das von Maschinen erwartet. Doch die Erwartung wird enttäuscht. Der Einsatz von Computern ist mittlerweile so aufwändig und teilweise so undurchsichtig geworden, dass Ergebnisse nicht oder nur schwer wiederholbar sind. Sind diese Ergebnisse dann nicht wissenschaftlich? Oder muss man eben neue Standards finden, was „wiederholen” und „gleiches Ergebnis” heißen soll? Nicht zuletzt: Wer hat (und wer beansprucht) die politische Macht, das zu entscheiden?
Diese Fragen wollen wir klären. Dazu schauen wir uns an, wie die Standards der Wiederholbarkeit gegenwärtig und in der Geschichte verhandelt und etabliert wurden. Wir konzentrieren uns dabei auf die Felder der computergestützten Chemie und Thermodynamik, in denen gerade solche Aushandlungsprozesse stattfinden. Auch weil dort etwas Verblüffendes passiert: Trotz der Schwierigkeiten mit der Wiederholbarkeit scheinen die berechneten Vorhersagen immer besser zu werden. Wird hier Vorhersagekraft über Wissenschaftlichkeit gestellt?
Projektteam
- Johannes Lenhard, PI
- Alexandre Hocquet, PI
Université de Lorraine, Archives Henri-Poincaré
- Matthias Brandl
- Frédéric Wieber
Université de Lorraine, Archives Henri-Poincaré
