Forschungsprofil des MVT-Lehrstuhls
Der Lehrstuhl für Mechanische Verfahrenstechnik erforscht ein breites Spektrum wissenschaftlicher Fragestellungen rund um die Handhabung und Verarbeitung von partikelförmigen Materialien. Im Mittelpunkt der Forschung stehen die zentralen Grundoperationen der Partikeltechnologie – von der Gestaltung und Formulierung von Partikeln mit definierten Eigenschaften bis hin zur Abtrennung feinster Partikel aus Fluiden.
Die experimentellen und numerischen Untersuchungen werden durch detaillierte Studien zu mikroskaligen Mechanismen wie Partikeladhäsion, Deformation und Bruch ergänzt. Modern ausgestattete Laboratorien ermöglichen präzise Messungen und Analysen. Mehrphasenströmungen in partikulären Prozessen werden mithilfe von CFD- und CFD-DEM-Simulationen berechnet.
Seit 2024 koordiniert der Lehrstuhl das DFG-Graduiertenkolleg 2908 WERA „Wertstoff Abwasser (WERA) - Rückgewinnung kritischer Rohstoffe am Beispiel Phosphor“.
Geschichte des Lehrstuhls
Die Geschichte des MVT-Lehrstuhls beginnt kurz vor der Gründung der Universität Trier-Kaiserslautern. Im Jahr 1970 lehrt an der damaligen Ingenieurschule Kaiserslautern der Oberbaurat Dr. Ekkehard Weber u. a. die Fächer Chemie und Mechanische Verfahrenstechnik. Es gibt auf dem Gelände eine Ingenieurschule, die kurz darauf in die neu gegründete Fachhochschule Rheinland-Pfalz (heute Hochschule Kaiserslautern) eingebracht wird, einen Neubau, in dem die Labore für Mechanische Verfahrenstechnik und ein Großraumbüro untergebracht sind.
Dr. Weber betreibt mit dem damaligen Leiter der Ingenieurschule, Herrn Benirschke, eine Mess- und Prüfstelle für Staubemissionen. Etwa Anfang 1970 kommt Herr Büttner von der Fa. BAYER nach Kaiserslautern und schließt sich Herrn Dr. Weber an, mit dem Ziel, bei ihm eine Promotionsarbeit anzufertigen. Diese Zweiergruppe wird am 01. Mai 1970 durch Herrn Dau erweitert, der von der TH Stuttgart (Lehrstuhl Prof. Ch. Alt) nach Kaiserslautern wechselt, um ebenfalls in KL eine Promotionsarbeit anzufertigen.
Die Arbeit der Gruppe erstreckt sich im Folgenden primär auf Aktivitäten zugunsten der Mess- und Prüfstelle. Dr. Weber wird im März 1971 als einer der ersten Professoren an der neugegründeten Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern (seit 2023 Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau) auf die Professur für Mechanische Verfahrenstechnik berufen. Damit wechseln alle Leute, die sich bis dahin seiner Gruppe angeschlossen hatten, an die Universität. Herr Büttner wird Assistent am Lehrstuhl.
| 1970 | Anfänge in Kaiserslautern Die Teiluniversität Kaiserslautern besteht zu Beginn aus den drei Fachbereichen Mathematik, Physik und Technologie. Alle drei Fachbereiche haben primär die Aufgabe, Lehrer an Realschulen, Gymnasien und an berufsbildenden Schulen auszubilden. Schon früh beginnen in allen drei Fachbereichen Bestrebungen, Wege zu finden, um auch Diplomstudiengänge zu initiieren. Der Fachbereich Technologie besteht zu Beginn aus den vier Fachrichtungen Architektur und Raum- und Umweltplanung, Erziehungswissenschaften, Elektrotechnik und Maschinenwesen. Fünf Professuren sind als „Grundausstattung“ für die Fachrichtung Maschinenwesen eingerichtet: Strömungslehre/Thermodynamik, Kraftmaschinen, Arbeitsmaschinen, Thermische Verfahrenstechnik und Mechanische Verfahrenstechnik. |
| 1971 | Gründung des Lehrstuhls Im März 1971 wird Dr. Weber als Wissenschaftlicher Rat und Professor auf das Fachgebiet MVT berufen. Die ersten Forschungsschwerpunkte der MVT-Professur sind Staubabscheidung, insbesondere Nassabscheidung, Zyklonabscheidung und Staubabscheidung durch Kondensation. |
Frühe Entwicklung des Lehrstuhls Der MVT Lehrstuhl wächst aufgrund erfolgreicher Drittmittelaktivitäten schnell an und besteht in dieser Zeit aus sechs wissenschaftlichen Mitarbeitern, einige Namen sind: Jürgen Atzger, Klaus Giese, Peter Leisen, Manfred Schütz, der Sekretärin, Frau Schmeer, und dem Laboringenieur, Herr Paul Suppe. Herr Dau wechselt zum 01. Oktober 1972 als Fachbereichssekretär (später Fachbereichsgeschäftsführer genannt) in das Dekanat des Fachbereichs Technologie. Das gesamte Fachgebiet ist in dieser Zeit im Gebäude 14 des Aufbau- und Verfügungs-Zentrums (AVZ, Geb. 11 - 14 sowie 21 - 24) untergebracht. Die Labore des Maschinenwesens befinden sich im Untergeschoss des Gebäudes 14. | |
| 1973 | Der Fachbereich Technologie wird zum 01. Januar 1973 in die Fachbereiche Maschinenwesen und Elektrotechnik sowie Architektur, Raum- und Umweltplanung und Erziehungswissenschaften geteilt. |
| 1974 | Zum 01. August 1974 nimmt Prof. Weber einen Ruf an die Gesamthochschule Essen an. Ein Teil der Mitarbeiter wechselt mit nach Essen, ein Teil bleibt in KL, insbesondere Herr Büttner, Frau Schmeer und Herr Suppe. |
| 1975 | Umstrukturierung und Neubesetzung Trennung der Universität Trier-Kaiserslautern in zwei eigenständige Universitäten. Auch der Fachbereich Maschinenwesen und Elektrotechnik wird in zwei eigenständige Fachbereiche getrennt. |
| 1977 | Erste Doktorate und neues Gebäude Erste lehrstuhleigene MVT-Doktorarbeiten: Herr Dau promoviert am 27. Juni 1977, Herr Büttner am 24. Nov. 1977. |
| 1979 | Prof. Ebert wird als Vizepräsident gewählt. Er bekleidet das Amt bis 1982. |
| 1980 | Neue Labore Im Dezember können die Labore der Verfahrenstechnik in den neu errichteten Versuchshallen des Gebäudes 64 bezogen werden. |
| 1981 | Die C3 Professur MVT wird in die C4 Professur „MVT und Strömungsmechanik“ umgewidmet. Prof. Ebert bewirbt sich, erhält den Ruf, lehnt einen zuvor erhaltenen Ruf nach Erlangen ab und nimmt den Ruf an. |
| 1982 | Technologie für Schüttgüter und Zusammenarbeit in der Industrie Etwa ab 1982 wird die Schüttguttechnik als Forschungsgebiet aktiv am Lehrstuhl betrieben. Über erste Ergebnisse wird 1983 auf dem VDI-Fachausschuss Agglomerations- und Schüttguttechnik vorgetragen. |
| 1985 | Dr. Büttner erhält am 18. Juni 1985 die „Venia legendi“ für das Fach Partikeltechnik. |
| 1988 | Dekanat Nach dem frühen Tod von Prof. E. Bender übernimmt Prof. Ebert das Amt des Dekans. Infolge seiner Wiederwahl Anfang 1989 hat er das Amt bis Anfang 1991 inne. |
| 1995 | Umbenennung des Fachbereichs „Maschinenwesen“ in „Maschinenbau und Verfahrenstechnik“. |
| 1995 | Lehrbefugnis und außerordentliche Professur Dr. Sachweh, der früher bei Prof. Ebert promoviert hat, erhält die „Venia legendi“ für das Fach Partikeltechnologie. Später während seiner Arbeit bei der BASF (Vice Presisident, Fine Particle Technology & Particle Characterisation) wird er außerplanmäßiger Professor des Lehrstuhls. |
| 2004 | Pensionierung und Neubesetzung Am 31. März 2004 geht Prof. Ebert in den Ruhestand. Der Lehrstuhl wird erneut umgewidmet. Seine Bezeichnung lautet wieder: Mechanische Verfahrenstechnik. Prof. Ripperger, zuletzt an der TU Dresden tätig, erhält den Ruf und tritt die Professur zum 01. April 2004 an. |
| 2008 | Dekanat Von Anfang 2008 bis Anfang 2011 leitet Prof. Siegfried Ripperger als Dekan die Geschicke des Fachbereichs MV. |
| 2014 | Ernennung eines neuen Vorsitzenden Wegen Beteiligung des Lehrstuhls an einem Sonderforschungsbereich des Fachbereichs MV wird die Stelle für die Nachfolge von Prof. Ripperger vorzeitig ausgeschrieben. |
| 2015 | Prof. Ripperger geht am 30. Sept. 2015 offiziell in den Ruhestand. |
| 2017 | Akademischer Rat Dr.-Ing. Kai Nikolaus hat die Position des Akademischen Seniorrats am Institut inne. |
| 2017 | Lehrbefugnis in Partikeltechnologie Dr. Rainer Friehmelt erhält die „Venia legendi“ für das Fach Partikeltechnologie. |
| 2023 | Wechsel im Institutssekretariat Die langjährige Institutssekretärin Frau Cornelia Lenhart tritt in den Ruhestand. Die Leitung des Institutssekretariats übernimmt Frau Christiane Maurer. |
| 2024 | Graduiertenkolleg WERA Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Graduiertenkolleg 2908 “WERA – Rückgewinnung kritischer Rohstoffe am Beispiel Phosphor” bewilligt. Der Sprecher, Prof. Sergiy Antonyuk, koordiniert das GRK. |
| 2026 | Vorsitz der EFCE Working Party Prof. Sergiy Antonyuk wurde zum Leiter des Working Party on the Mechanics of Particulate Solids of European Federation of Chemical Engineering gewählt. |
